Lern- und Arbeitsmethoden

Kindgerechter Schulanfang in der Flexiblen Eingangsphase (FLEX)

 

Kinder, die in die Grundschule kommen, unterscheiden sich in ihrem Alter, ihren Erfahrungen und ihren bereits erworbenen Kompetenzen. Sie lernen unterschiedlich schnell, unterschiedlich viel und benötigen dafür unterschiedliche Lernwege und Lernstrategien. Einige Kinder können bereits am Schulanfang lesen oder sich im Zahlenraum bis 100 sicher orientieren und entsprechende Aufgaben rechnen. Andere Schulanfänger benötigen besondere Hilfe oder auch mehr Zeit, um den Schulanfang zu meistern sowie das Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen.

 

Weil der Schulanfang eine sehr sensible Phase in der Kindheit darstellt, bei dem wichtige Weichen für das weitere Lernen gestellt werden, soll in der FLEX allen Kindern mithilfe einer veränderten Organisationsform ein erfolgreicher Schulstart ermöglicht werden. Seit 16 Jahren wird im Land Brandenburg die Flexible Eingangsphase erprobt und weiterentwickelt. Vergleichbare Schulanfangsmodelle gibt es in vielen Bundesländern, zum Beispiel auch in Berlin, Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg. Kennzeichnend für das FLEX-Modell ist:

 

  • Alle Kinder werden in die Schule in eine für die Jahrgangsstufen 1 und 2 gemischte Klasse ohne Zurückstellung, Wiederholung oder Ausschulung aufgenommen.
  • Sie können ein Jahr, zwei oder drei Jahre in diesen jahrgangsübergreifenden Lerngruppen verweilen. Sie gehen dann in die Jahrgangsstufe 3 über, wenn sie die dafür notwendigen Kompetenzen erworben haben.
  • Für schneller und langsamer lernende Kinder gibt es spezielle Förderangebote oder Kleingruppen.
  • Junge Kinder können vorzeitig aufgenommen und besonders unterstützt werden. Sie können auch im laufenden Schuljahr vor ihrer offiziellen Einschulung aufgenommen werden.
  • Kinder mit besonderem Förderbedarf, z. B. im Bereich Lernen, Sprache oder soziale und emotionale Entwicklung, werden in den ersten beiden Jahren nicht an eine Förderschule oder Förderklasse überwiesen und stattdessen von einer Sonderpädagogin beobachtet und gefördert.
  • Das Lernen erfolgt nach einem rhythmisierten Tagesablauf, der mithilfe einer offenen Anfangsphase vor dem Unterricht und zwei Unterrichtsblöcken von 90 Minuten gegliedert wird. Innerhalb der Blöcke wechseln sich vielfältige Lernsituationen ab.
  • Jedes Kind erhält einen individuell maßgeschneiderten Lernplan, den es in Kleingruppen und beim Lernen nach Wochenplänen in der jahrgangsstufenübergreifenden Lerngruppe erfüllt.
  • Die Verantwortung für die FLEX-Klasse liegt in der Hand eines Lehrerinnenteams, zu dem die Klassenleiterin, eine Lehrerin für die Teilungsstunden sowie eine Sonderpädagogin gehören. Sie planen gemeinsam den Unterricht, achten auf das Erreichen der Anforderungen des Rahmenlehrplans und berücksichtigen die individuellen Lernbedürfnisse der Kinder.
  • Vor der Einschulung erfolgt ein Zusammenarbeit der FLEX-Lehrerinnen mit den Erzieherinnen in den Kitas, aus denen die Schulanfänger kommen.

 

                                            (aus: 6 Jahre: Zusammen für die Zukunft lernen

                                            Wegweiser. Die Grundschule im Schuljahr 2015/2016)